Ja, also ich war dann noch in der Ausstellung in Bogota. Mit Wissenschaft hatte die nicht so viel zu tun. Da konnte man primitive Elektromotoren anschauen, allerdings gab es keine Erklaerung zum Funktionsprinzip. Jedenfalls keine in der das Wort Lorentzkraft mal aufgetaucht waere. Ich hatte mehr so das Gefuehl dass das ein Erlebnismuseum fuer Kinder ist, die mit offenem Mund und fragendem Blick vor optischen Taeuschungen stehen. Ihr wisst schon, sowas hier:

Warum der Lonely Planet sowas die beste Wissenschaftsaustellung des Kontinents nennt ist mir schleierhaft. Ist es vielleicht die beste weil einzige?
Ich hab dann aber doch noch ein paar aufregende Dinge gefunden. Die Hochspannungshalle zum Beispiel. Hier wird mit hohen Spannungen ein Lichtbogen erzeugt und die Ladung fliesst ueber den Faradayschen Kaefig in dem die Kinder ausflippen ab.
Lichtbogen sind schoen!

Ich bin dann weitergefahren nach Popayan, so ne Stadt von der Groessenordnung von Darmstadt im Sueden Kolumbiens. Es gibt einen sehr gut erhaltenen Ortskern mit vielen Gebaeuden im Kolonialstil. Und es gibt super Fruchtshakes mit Mango und spitzenmaessiges Eis.

Auch das ist Kolumbien.

Das Militaer ist ueberall praesent. Wo man geht und steht wird man schwer bewaffnete Soldaten treffen. In groesseren Stadten auch Panzerfahrzeuge und Spezialeinheiten mit den furchterregendsten Waffen. Ich vermute dass es nicht darum geht spezielle Gebaeude oder Leute zu schuetzen, sondern nur darum Praesenz zu zeigen. Man will klarmachen dass Guerrillas hier nichts verloren haben. Vielleicht geht es auch darum den Leuten klarzumachen auf welcher Seite sie sich befinden? Um Sympathien fuer Guerrillagruppen im Keim zu ersticken? Denn obwohl Kolumbien fuer gewoehnliche Touristen ein sicheres Land ist darf man sich keinen Illusionen hingeben. In diesem Land tobt ein Krieg. Nicht dort wo die Touristen sind, sondern tief im Urwald, Richtung Amazonasbecken. Das Militaer bekaempft die Guerillas, aber laengst ist das Land aufgeteilt in ein Gebiet das die Regierung kontrolliert (60% der Landesflaeche) und einen Teil den die Rebellen kontrollieren. Im von der Regierung kontrollierten Landesteil kann man monatelang reisen ohne ein Anzeichen von Buergerkrieg zu sehen, abgesehen von erhoehter Polizeipraesenz. Fast alle Touristen bleiben hier und verlassen das Land ohne auch nur das kleinste Problem bezueglich der Sicherheit gehabt zu haben. (abgesehen von Taschendieben, aber die gibt es ueberall)
Das Rebellengebiet bereisen nur sehr wenige Leute und die auch nur nachdem sie aktuelle Informationen ueber Guerilla-Aktivitaet im betreffen Gebiet eingeholt haben. Wenn ueberhaupt Auslaender Opfer von Geiselnahmen werden dann sind es solche Leute. Wahrscheinlicher werden aber die Kinder von reichen Bogotanern gekidnappt um Geld zu erpressen.
Ich hatte zu keiner Zeit in Kolumbien das Gefuehl von Unsicherheit. Ich glaube Kolumbien ist viel besser als sein Ruf, und deshalb ein voellig unterschaetztes Reiseziel.
Jedenfalls war Popayan wunderschoen und vor allem voellig unbelastet durch Tourismus. Waehrend in Cartagena ueberall der Eindruck entstand, dass die ganze Stadt eine Show fuer Touristen ist wirkt Popayan sehr authentisch. In Cartagena ist nur die Haeuserfassade schoen gestrichen, die Rueckseiten der Haeuser sind schmucklos, dreckig und verfallen. In Popayan sind die Fassaden unscheinbar, aber dahinter verbergen sich traumhaft schoene Innenhoefe. Die Haeuser sind nicht fuer Touristen gemacht, sondern fuer die Leute die darin wohnen.

Irgendwie bin ich dann noch in die Musikhochschule gestolpert und hab Studenten beim Trompetespielen zugehoert. Ich war drauf und dran zu fragen ob ich auch mal durchpusten darf, aber das einzige Lied was ich auswendig kann ist „La Cucaracha“. War mir dann doch zu peinlich. Aber mal wieder spielen wuerd ich schon gerne…

Die Uni von Popayan:

Popayan bei Nacht

Dann habe ich mich in den Bus nach Ecuador gesetzt. Die Strecke fuehrt durch ein paar unglaubliche Gebirgszuege, Canyons und Ebenen aber ich war zu faul zum Fotografieren. Beim ersten Blick auf die schneebedeckten Vulkane die es rund um Quito gibt hab ich dann doch eins gemacht. Ich glaub es ist Cotopaxi, aber sicher bin ich nicht.

In Quito hab ich mich in ein schoenes Hostel eingemietet, mit tollem Blick von der Dachterrasse und vielen Backpackern. Ein paar nette Leute hab ich kennengelernt, mit Tony aus Kalifornien treff ich mich bestimmt nochmal. Er ist naemlich auch auf dem Weg nach Sueden, amders als all die anderen. Natuerlich bin ich als erstes zu Quitos Haupttouristenattraktion gestuermt, dem Aequator. Mitad del Mundo ist ein Monument (das peinlicherweise 240 Meter neben den Aequator gebaut wurde) und ein paar „Museen“ in denen Touristenhaarstraeubender Schwachsinn ueber den Aequator erzaehlt wird. Es ist unglaublich wie dumm viele Touristen sind. Und wie schamlos einige „Museumsbesitzer“ das ausnutzen. Denn es handelt sich dabei um Privatpersonen, die das geld in die eigene Tasche stecken. Das 30 000 Einwohner grosse Dorf gleich neben der Anlage ist bettelarm und es gibt nicht genuegend Lehrer fuer die Schule. Von der Touristenkohle kommt hier nicht das geringste an.
Ich habe mir dann noch eine echte Ausstellung einer wissenschaftlichen Gruppe angesehen die hier das Wirken einer fruehen Hochkultur untersuchen. Es gab einen Stamm (Name und Herkunft unbekannt) der hier bereits vor etwa 1000 Jahren ein Monument exakt auf dem Aequator gebaut hat. Das ist Zufall? Das Monument hat eine runde Aussenmauer, die ploetzlich endet. Zieht man von dort eine Linie zum Zentrum schliesst diese mit dem Aequator einen Winkel von 23,5 Grad ein. Das ist exakt die Neigung der Erdrotationsachse gegen die Ekliptik. Es wird davon ausgegangen, dass diese Kultur keine Schrift kannte und nicht rechnen konnte. Alles Wissen wurde der Natur ausschliesslich durch astronomische Beobachtungen abgerungen. Ueber 800 Jahre spaeter wurde ein Monument von den Spaniern 240 Meter neben den Aequator gebaut…

Dann hab ich noch ein bisschen Sightseeing in Quito gemacht, hat mich aber nicht umgehauen. Die grosse Kirche war das einzig wuerdige Motiv.

Der Blick von der Hostelterasse wo ich jeden Morgen gefruehstueckt habe.

Heute setz ich mich in den Bus nach Montanita, das ist ein Kaff am Pazifik. Ich freu mich drauf wieder an den Strand und weg von den Gringohorden zu kommen.